Sechs Bayerische Kommunen für ihre Klimaschutzpolitik ausgezeichnet

Strahlende Gesichter gab es in Kempten bei der Verleihung des European Energy Awards für bayerische Städte und Gemeinden. Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Sechster Von links), gratulierte den Bürgermeistern und Vertretern der ausgezeichneten Kommunen. Unser Bild zeigt von links Josef Wölfle (1. Bürgermeister von Haldenwang), Walter Schnell (1. Bürgermeister von Kammerstein), Leonard Meyer (Bundesgeschäftsstelle European Energy Award), Reinhard Junginger (Stellvertreter von Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg), Martin Sambale (Geschäftsführer Energie- und Umweltzentrum Allgäu), Dr. Gerd Müller (Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Thomas Kiechle (Oberbürgermeister der Stadt Kempten), Gerhard Hock (1. Bürgermeister von Durach) und Matthias Kaiser (Stadtrat in Lindau in Vertretung von Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker). Foto: eza!

Kein Geringerer als der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, überreichte bei einem Festakt in Kempten den European Energy Award (eea) für bayerische Kommunen. Durach (Oberallgäu), Haldenwang (Oberallgäu), Kammerstein (Mittelfranken, Landkreis Roth), Lindau und Neu-Ulm wurden für ihre vorbildliche Klimaschutzpolitik mit dem European Energy Award ausgezeichnet. Gastgeber Kempten erhielt als erste bayerische Stadt den European Energy Award in Gold.

„Wir setzen auf das Know-how der deutschen Kommunen beim Klimaschutz“, betonte Minister Müller bei der Preisverleihung. „Unsere Partner in den Entwicklungsländern haben hier einen großen Bedarf; ob bei Fragen der effizienten Energienutzung, beim Ausbau der Erneuerbaren Energien oder der Aus-und Weiterbildung im Energiesektor. Über kommunale Partnerschaften im Klimabereich bieten wir die Möglichkeit einer Zusammenarbeit. Die deutschen Kommunen sind strategische Partner in der Entwicklungszusammenarbeit. Diese Partnerschaft werden wir weiter ausbauen“.  

Der European Energy Award (eea) bietet Begleitung und Beratung für Städte, Gemeinden und Landkreise bei der Planung und Realisierung von energie- und klimaschutzpolitischen Zielen und Maßnahmen. „Es handelt sich um ein Management-Programm“, erklärte Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, der als Vorstandsmitglied der Bayerischen Energieagenturen die Veranstaltung moderierte. Bei einer erfolgreichen Teilnahme winkt die Auszeichnung mit dem European Energy Award. Die höchste Stufe ist der European Energy Award in Gold.

Die Stadt Kempten beteiligt sich seit 2011 am eea-Programm und wird dabei wie alle anderen Allgäuer Kommunen vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!) betreut. „Es ist viel passiert. Durch die Teilnahme am European Energy Award ist es uns gelungen, ausdauernd und kontinuierlich am Thema Klimaschutz zu arbeiten“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle bei der diesjährigen eea-verleihung. Bereits 2012 war Kempten mit dem eea ausgezeichnet worden, nachdem 60 Prozent aller möglichen Maßnahmen realisiert worden waren. Vier Jahre später sind es 78 Prozent – 75 Prozent sind für die Auszeichnung in Gold nötig. Der „Masterplan 100 % Klimaschutz“, den Kempten 2012 verabschiedet hatte, bildet den Rahmen für sämtliche Aktivitäten: seien es die Energieberatung und die Energieeffizienz-Angebote für Unternehmen, Kampagnen wie „Sanieren mit GRIPS“ für Hausbesitzer oder Initiativen zur Förderung der Radverkehrs. Durch ein konsequentes kommunales Energiemanagement für die städtischen Liegenschaften konnte seit 2000 der Ausstoß von 8.000 Tonnen CO2 vermieden werden. Städtische Neubauten werden nur noch im Passivhausstandard ausgeführt. Positiv auf die European Energy Award-Wertung wirkte sich auch die Fernwärmeversorgung zahlreicher Unternehmen und Haushalte durch den Zweckverband Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) aus.

Erstmals mit dem European Energy Award wurde die Gemeinde Durach ausgezeichnet. Die Oberallgäuer Kommune konnte unter anderem mit seinem Hackschnitzel-Nahwärmenetz, den regen Aktivitäten des Energieteams, den Photovoltaikanlagen auf den gemeindeeigenen Dächern für den Eigenstromverbrauch sowie einem Punktekatalog für energieeffizientes Bauen im Neubaugebiet am Orogelände überzeugen.

In Haldenwang wird der Strombedarf bereits vollständig, der Wärmebedarf zu 29 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt. Eine gemeindeeigene Photovoltaikanlage versorgt das Sportzentrum mit Strom. Durch das langjährige kommunale Energiemanagement konnte der Energieverbrauch der kommunalen Liegenschaften und Anlagen spürbar gesenkt werden. Vorbildlich sind außerdem das Versorgungskonzept mit seinen Dorfläden und die Ausrichtung eines jährigen Energietages mit Vortragsprogramm.

Lindau hat sich in Rekordtempo den European Energy Award gesichert. Die Stadt am Bodensee war erst 2016 ins eea-Programm eingestiegen und hat noch im selben Jahr das externe Audit erfolgreich bestanden. Überzeugt hat die Auditoren unter anderem das klimafreundlichen Mobilitätskonzept „KliMo, mit dem der motorisierte Individualverkehr auf der Insel reduziert werden soll. Im Rahmen eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts gab es einen Wettbewerb für die zukünftige Bebauung der hinteren Insel. Ein energiepolitisches Leitbild mit quantifizierbaren Zielen wurde für die Stadt Lindau verabschiedet, die im unmittelbaren Bereich der Kommune, aber auch in dem eines jeden Bürgers liegen. Ebenfalls vorbildlich ist die enge Zusammenarbeit mit den benachbarten Gemeinden – auch grenzüberschreitend. Ein nachhaltiger Reiseführer unter dem Motto „Umweltschonend reisen. Regional speisen. Nachhaltig genießen.“ rundet die vielen Aktivitäten ab.

Auch die Stadt Neu-Ulm kann erhebliche Fortschritte bei ihren Klimaschutzbemühungen vorweisen. So wurde das Fernwärmenetz in der Innenstadt auf der Basis eines ganzheitlichen, raumbezogenen Wärmeversorgungskonzepts ausgebaut. Dank eines Holzgas-Heizwerks, das mit Material aus der Wald- und Landschaftspflege sowie mit Schwemmholz betrieben wird, können außerdem pro Jahr rund 40.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Seit vielen Jahren schon werden in Neu-Ulm städtische Dachflächen für die Energiegewinnung mittels Solar- und Photovoltaikanlagen genutzt.

Die mittelfränkische Gemeinde Kammerstein war im Jahr 2012 erstmals mit dem European Energy Award ausgezeichnet worden – damals wie heute in Kempten. In der Zwischenzeit ist am Rathausplatz ein Nahwärmenetz mit Hackschnitzelheizung errichtet worden, das die Kindertagesstätte, das Rathaus, den Bauhof, den Bürgersaal sowie das Feuerwehrhaus mit Wärme versorgt. Generell sind die Energiestandards für kommunale Gebäude und Anlagen in Kammerstein hoch. Auf gemeindeeigenen Gebäuden wurden zudem Photovoltaikanlagen installiert.

Als beispielhaft gilt das interkommunale Kläranlagenkonzept der Gemeinde Kammerstein. Mit weiteren Aktivitäten wie  LED-Tausch, Thermografie-Aktion, Ausstellungen und Schul- und Kindergartenprojekten wird bei den Bürgern das Bewusstsein für Energie- und Klimaschutz-Themen geschärft. Ein Musterbeispiel ist auch der jährlich stattfindende Kammersteiner Waldmarkt mit ausschließlich regionalen Produkten.

Weitere Infos zum European Energy Award unter:
www.european-energy-award.bayern

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